Über uns

Was ist die Heimatkreisgemeinschaft und was will sie?

Die        Heimatkreisgemeinschaft Militsch-Trachenberg ist ein Zusammenschluß von ehemaligen Bewohnern des Kreises Militsch-Trachenberg, die 1945 aus ihrer Heimat  geflüchtet oder vertrieben worden sind, sowie deren Nachkommen. Nach 1945 führte der frühere Landrat des Kreises Militsch-Trachenberg, Dr. von Saint Paul, die über ganz Deutschland verteilten Kreisbewohner in der Heimatkreisgemeinschaft zusammen.  Dadurch sollten Familien und Freunde wieder zusammengeführt und Traditionen und kulturelles  Erbe erhalten werden.Am 17.Juni 1957 hatte der damalige Kreis Springe am Deister die Patenschaft für den schlesischen Kreis Militsch-Trachenberg übernommen. Von diesem Tage an hatten die aus ihrer Heimat vertriebenen  Militsch-Trachenberger wieder einen Ort als symbolische Heimat, der als zentraler Sammelpunkt zu einem festen Begriff für heimatliche Zusammengehörigkeit und die vielen damit verbundenen Aufgaben geworden ist. Eine dieser Aufgaben war und bleibt die Organisation des seitdem alle zwei Jahre stattfindenden Treffens der Militsch-Trachenberger in Springe. Die Patenschaft ging durch die Kommunalreform auf die Region Hannover über. 2009 wurde sie einseitig vom Paten gekündigt.Heimatgefühl und Verbundensein unter Landsleuten waren und bleiben Sinn unserer Gemeinschaft. Dazu gehörten bis 1989 insbesondere auch die Aktionen für die Militsch-Trachenberger jenseits des eisernen Vorhanges. So wurde Rentnern durch Freiquartiere und Beihilfen die Teilnahme an unseren Treffen ermöglicht, Paket- und Päckchenversand organisiert und Anschriften für Gruß- und Briefsendungen in der nur im Westen erscheinenden Heimatzeitung veröffentlicht.Als 1989 die Mauer fiel, kamen neue Aufgaben hinzu. Zunächst wurden in der ehemaligen DDR, wo nach dem Krieg die Masse der Bewohner des Kreises Militsch-Trachenberg angesiedelt wurde, Heimattreffen veranstaltet, die zuvor verboten waren. Seitdem treffen sich vor allem in Sachsen  jedes Jahr bis zu 2000 Heimatfreunde. Auch wurden die Reisen in die schlesische Heimat, privat oder mit Bus, intensiviert.        Nach anfänglich nur privaten Kontakten ergaben sich im Laufe der Jahre durch Schüler der ehemaligen    Ostlandschule in Militsch auch offizielle Kontakte, die ab 1994 zu den ersten Schulpartnerschaften zwischen dem Otto-Hahn-Gymnasium in Springe und dem I. Liceum in Militsch geführt haben. Seitdem  besuchen sich Schüler beider Schulen. Sie werden jeweils von polnischen und deutschen Gasteltern aufgenommen.Schulpartnerschaften sind durch unsere Mithilfe auch zwischen Schulen aus Freyhan (Cieszków) und Trachenberg (Zmigród) mit entsprechenden Bildungseinrichtungen in Groitzsch und Karlsruhe-Grötzingen entstanden.Weitere Zeichen der guten Verhältnisse sind die Reisen der noch in Schlesien geborenen Landsleute und ihrer Nachkommen, privat oder als Gruppe mit dem Bus, in ihre alte Heimat.

Auch wurden ab 1998 Kontakte zu polnischen Kommunalpolitikern  in Militsch geknüpft, die sich in den folgenden Jahren zu freundschaftlichen Verbindungen entwickelten. Hierdurch war es nun auch möglich, gemeinsame Projekte in unserer Heimat zu verwirklichen.

So nahmen Trachenberger Heimatfreunde 2003 an der 750-Jahrfeier der Stadt teil, auf der der Vorsitzende der Heimatkreisgemeinschaft Militsch-Trachenberg ein Grußwort sprach. In den Jahren 2005 bis 2007 wurden in Militsch, Trachenberg, Prausnitz, Freyhan und Kraschnitz Gedenksteine für die deutschen Toten der Region, meist auf dem Gelände der zerstörten Friedhöfe, aufgestellt und feierlich eingeweiht.

In den folgenden Jahren war die Gnadenkirche in Militsch das Ziel von Jubiläumsveranstaltungen, die jeweils mit einem ökumenischen Gottesdienst und großer Beteiligung der örtlichen Bevölkerung  und ehemaligen Militschern feierlich begangen wurden. So 2007 aus Anlaß der Altranstädter Konvention (Altranstädt: Dorf bei Leipzig) von 1709, in deren Folge die Militscher Gnadenkirche gebaut werden konnte, 2009 deren Grundsteinlegung und 2014 (geplant) ihre Einweihung.

Das bisher größte deutsch-polnische Gemeinschaftsprojekt ist die Ausstellung „Exodus des Bartschtals“. Sie wurde am 20.Juni 2009 in Militsch eröffnet und war anschließend als Wanderausstellung in Polen und Deutschland zu sehen. Mehr als 17 000 Besucher haben sie besucht. Sie handelt vom Schicksal der Menschen, die bis 1945 im Bartschtal gelebt haben und von den Menschen, die seitdem dort leben.

Die Ausstellung hat einer der größten Tragödien des 20.Jahrhunderts zum Thema, welches am Schicksal der am meisten betroffenen Menschen – Kindern, Frauen und alten Menschen – dargestellt wird. Millionen von Menschen wurden von ihrer seit Generationen angestammten Heimat vertrieben.

Es wird von Flucht und Vertreibung unter unmenschlichen Bedingungen bei eisiger Kälte berichtet. Dieses Schicksal betraf Millionen von Menschen, so auch die deutsche Bevölkerung des Kreises Militsch-Trachenberg.

Bislang letztes Gemeinschaftsprojekt ist die Übersetzung des Heimatbuches „Der Kreis Militsch-Trachenberg an der Bartsch“ in die polnische Sprache. Es wurde im Mai 2013 in Militsch der Öffentlichkeit vorgestellt und soll in den höheren Lehranstalten Teil des Geschichtsunterrichtes werden. Die Übersetzung war auf Wunsch und Initiative des Militscher Landrates zustande gekommen.

In allen diesen Projekten arbeiten wir daran, gegenseitiges Verständnis zwischen Deutschen und Polen zu fördern. Darüber hinaus wollen wir damit auch unsere Spuren – die Spuren der deutscher Vergangenheit im Kreis Militsch –  deutlich machen.